allegro di azzuro

für Kammerorchester

Gewidmet Herrn Prof. Dr. Klaus Murmann
Entstehung: 2009–2010
Uraufführung: 19.2.2010, Haus der Deutschen Wirtschaft, Berlin

 


 

„Aufgeweckt, engagiert und voller Ideen.” - Diese Merkmale lassen sich der Musik des großartigen amerikanischen Komponisten Jacob Gershovitz (George Gershwin) ohne Zweifel attestieren. Ebenso treffen jene Eigenschaften aber auf Dr. Klaus Murmann zu, der als initiierender und fördernder Kopf der Stiftung der Deutschen Wirtschaft in der Vita vieler talentierter junger Menschen einen bleibenden Fußabdruck hinterlassen hat. Als einer von diesen widme ich ihm das Stück allegro di azurro für Kammerorchester – ein Stück, das wie sein Widmungsträger „kein Blatt vor den Mund nimmt.“

Mit Dr. Klaus Murmann teile ich die Begeisterung für das kompositorische Schaffen Gershwins; dessen Spritzigkeit und harmonische Farbigkeit sowie der Mut zu provokant-kreativen musikalischen Einfällen war daher Inspiration und Ausgangs-punkt für mein Werk, das einzelne Elemente aus herausragenden Stücken des Amerikaners als motivische Keimzellen verwendet. So schraubt sich der Beginn selbstbewusst in „gershwinhaft“ chromatischer Manier in die Höhe und lässt nach einer tumultartigen „Massenszene“ der solistischen Klarinette Raum zur Entfaltung. Diese leitet ein längeres Allegro ein, das sich in beinahe Webernscher Fragmenthaftigkeit wie eine muntere Debatte zu immer neuen Tutti-Anläufen aufschwingt und schließlich in einem dreischichtigen Gemenge kulminiert. Nun meldet sich die Klarinette wieder zu Wort und führt zusammen mit weiteren Bläsern in ein schreitend-groteskes Marcia-Tempo über. Nach und nach nimmt der Diskurs wieder Fahrt auf und bringt als Kulmination mittels einer sehr überraschenden motivischen Wendung eine ganz andere Ecke der Musikgeschichte ins Spiel. Unverzüglich melden sich sowohl Gershwin als auch die solistische Klarinette nochmals zurück, bevor die kurze Schluss-Stretta dem verwirrten Gegenüber ein deutliches Ausrufezeichen hinter das Geschehen setzt –

„in blue“ versteht sich.


Christof Weiß



© Christof Johannes Weiß 2018