Drifting Colors

für symphonisches Blasorchester

Entstehung: 2008
Uraufführung: 5.4.2009, Unterpleichfeld

 


 

Da ich selbst in meiner musikalischen Ausbildung sowohl mit sinfonischer Blasmusik als auch mit klassischer und zeitgenössischer Musik viel in Berührung komme, ist es mir ein großes Anliegen, dass sich diese Bereiche gegenseitig befruchten. Gerade im Blasorchesterbereich gehen viele Komponisten keinen eigenen Weg, sondern eifern im Streben nach maximaler Popularität einem Klangideal nach, das sich aus spätromantischer Sinfonik, Film- und Popmusik zusammensetzt und die Musikgeschichte, besonders die des 20. Jahrhunderts oft ausblendet. Auf der anderen Seite haben nur sehr wenige renommierte zeitgenössische Komponisten diese Besetzungsform, die großartige Möglichkeiten an klanglicher Differenzierung und Schattierung bietet, für sich entdeckt. Vor diesem Hintergrund war die Idee von Drifting Colors, ein für die Blasorchesterliteratur ungewöhnliches Stück zu schreiben, das sich beiden Wurzeln bewusst ist und dabei die spieltechnischen Möglichkeiten von Laienmusikern nicht aus den Augen verliert.

In der etwa siebenminütigen Komposition wird der Hörer nicht auf melodische Elemente stoßen, sondern sich in weiten farbigen Flächen mit ungewohnten Klangerlebnissen wiederfinden, hervorgebracht durch eine Vielzahl an Spieltechniken auf Blas-, Schlag- und Geräuschinstrumenten. Zu Beginn taucht die Musik ein in eine weite, changierende Farbfläche, die sich ständig verändert und von immer neuen Seiten beleuchtet wird. Der Klang wird nach und nach immer geräuschhafter, bis schließlich fast ausschließlich ein Rauschen zu hören ist, in das ein zarter Akkord der Hörner eintaucht, der zwischen reiner und bewusst schwebender Intonation schwankt. Im darauffolgenden Allegro-Teil, der rein perkussiv beginnt, treten nun immer mehr Akkorde von den unterschiedlichsten Registern als „Farbtupfer“ auf. Diese verdichten sich und steigern sich zu einer breiten Fläche, die an Tempo und Schärfe zunimmt, bis sich schließlich am Höhepunkt des Stückes ein extrem scharfer und ein sehr weicher Klang gegenüberstehen. Letzterer leitet nach dem wiederholten Hornakkord in den ruhigen Schlussteil ein, der das Stück wie eine große blaue Fläche entschweben lässt.


Christof Weiß



© Christof Johannes Weiß 2018