shading a changeable timeframe

Trio für Violine, Horn, Klavier
Trio für Klarinette, Violoncello, Klavier
Quintett für Violine, Klarinette, Horn, Violoncello, Klavier

⁣2. Preis beim Internationalen Kompositionswettbewerb des Festivals „Pablo Casals“, Prades, Frankreich 2013
Entstehung: 2012
Uraufführung: 5.7.2012 Würzburg (Horntrio) | 9.7.2012 Würzburg (Klarinettentrio, Quintett) | 6.4.2013, Prades (Quintett)

 


 

Etappe, Zeitabschnitt, Ausschnitt aus einem größeren Ganzen – diese Fragmenthaftigkeit will der Begriff „timeframe“ ins Bewusstsein rufen. Die Musik beschreibt nichts Fertiges, kein in sich geschlossenes Objekt, sondern sucht sich ihren Weg, ausgehend von einem getriebenen, aufgeregten, aber auch verzweifelten Anfangszustand. Dieser beherrscht das Stück noch im weiteren Verlauf, indem nach einem angedeuteten ruhigeren Teil nochmals die Gestik des Beginns die Oberhand gewinnt, bevor sich eine neue Tür öffnet und eine echte Beruhigung eintritt. Diese bereitet nach und nach den abschließenden, beschwingten Schlussteil vor, der zum Anfang einen abermals schnellen, aber gestisch kontrastierenden Gegenpol bildet. Wie der Beginn etwas vorher Stattgefundenes imaginiert und weiterträgt, so lässt auch der Schluss einen Ausblick auf Folgendes offen, das ohne den durchschrittenen Prozess nicht möglich gewesen wäre.

Nicht nur der dramaturgische Verlauf des Stückes trägt den Charakter des Ausschnitts aus einem Ganzen, auch die Konzeption des Stückes selbst ist davon geprägt: So ist es in drei kammermusikalischen Besetzungen angelegt, als Trio für Violine, Horn und Klavier gleichsam wie als Trio für Klarinette, Violoncello und Klavier – die beiden Brahmsschen Besetzungen, die von der klassischen Klaviertrioformation abweichen. Zugleich kann es jedoch in der Quintettbesetzung aller fünf Instrumente gespielt werden. Inspiriert wurde dies von den Streichquartetten Nr. 14 und 15 von Darius Milhaud, welche simultan als Oktett erklingen können. Im Unterschied dazu ist jedoch hier der Klavierpart konstant; zudem erlaubt die Heterogenität der Klangfarben eine plastischere Überlagerung musikalischer Ereignisse. Wie mit dieser komplexen Aufgabe umgegangen wurde, verändert sich im Laufe des Stückes. Zunächst fungieren die beiden Trios als Instrumentationen ein und derselben musikalischen Idee, gehen aber nach und nach eigene Wege und zeigen unterschiedliche Facetten der Musik. Schließlich trennen sich die beiden Besetzungen völlig und überlagern sich zu einem mehrschichtigen Ganzen, bis sie zum Schluss hin wieder zusammenfinden. Auf diese Weise wird der Veränderungsprozess des Stückes in drei unterschiedlichen Schattierungen erfahrbar.


Christof Weiß



© Christof Johannes Weiß 2018